Leitung: Walter Kissling
Über die lange Geschichte der Beweidung des Hundsheimer Berges habe ich bereits berichtet. Was ich nicht wusste ist, dass die Zwergschwertlilie, Iris pumila, aus Südosteuropa kommend, in Niederösterreich ihren westlichsten Standort hat. Wir trafen sie violett und hellgelb blühend an einem abgelegenen Platz. Pumila kommt vom lateinischen „Zwerg“ und hat sprachlich nichts mit „pummelig“ zu tun, obwohl – gemessen an den langstieligen Schwertlilien hat die Kleine genauso große Blüten wie die Große. Im Wald, weiter oben, kämpfen Bärlauch und Lerchensporn um den Platz am Waldboden. – In Hainburg angekommen, gehen wir durch die „Blutgasse“ hinunter zur Donau gingen, zum Gasthaus „Goldener Anker“ und zum Bahnhof. Daniel Haberler-Maier, Kremser Stadtarchivar, hat sich in peniblen quellenreichen Arbeiten mit Realität und Mythos von „Hainburg, ‚die Türken“ und das Jahr 1683“ auseinandergesetzt. Demnach haben die über den schlecht befestigten Schlossberg eindringenden Tataren Hainburg am 11. oder 12. Juli 1683 eingenommen; 2.500 bis 3.000 Personen wurden in der Stadt getötet, 180 bis 240 haben überlebt. Darüber, wie die „Blutgasse“ zu ihrem Namen kam, gibt es mehrere Erzählungen. 1. Die Menschen liefen die Gasse hinunter, um zur Donau zu kommen: a) das Fischertor ließ sich durch den großen Ansturm nicht mehr öffnen, die Menschen wurden massakriert; b) die Menschen gelangten zur Donau, aber die Boote waren so überladen, dass sie nicht ablegender konnten; in Bratislava wurden blutverschmierte Boote angespült; c) der Stadtrichter habe das Tor versperrt und sei mit eingestecktem Schlüssel entkommen. 2. Die „Blutgasse“ kam auf andere Weise zu ihrem Namen: In einem aus dem Jahr 1714 stammenden Bittgesuch war die Rede von „Bluet [das] durch die Gassen geflossen und zu dem Fischerthierl hinausgerunnen ist“ – in der Blutgasse waren die Hainburger Fleischhacker ansässig und konnten Blut und Schlachtabfälle durch die Gasse hinunter zur Donau leiten. (Jahrbuch für die Landeskunde von Niederösterreich, 2024 S. 85-111)
Walter Kissling