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Nachmittagswanderung Kahlenberg

Samstag, 3. November 2018

Am Treffpunkt Kahlenbergerdorf eine bunt gemischte Schar, Aufstieg im Waldbachgraben, vorbei an der Abzweigung zum „Kahlenberger Grat“, vor der Josephinenhütte links geschwenkt, auf unbezeichnetem Waldweg auf den Kahlenberg, Stefaniewarte, Josefsdorfer Waldfriedhof, Eiserne Hand, Kahlenbergdorfer Friedhof und über die Wiese  und den Jungherrensteig zurück ins Kahlenbergerdorf, wo der einzige kleine und nicht touristisch aufgemotzte Heurige offen hatte; einige kehrten ein, andere nahmen den Bus nach Heiligenstadt. – Gesprächsanlässe während der Wanderung boten die Stefaniewarte, weniger wegen ihrer touristischen Bedeutung im Zusammenhang der Kahlenbergbahn, als wegen der Namensgeberin Stefanie, Tochter des belgischen Königs Leopold II. (Kongo...), die 16jährig Kronprinz Rudolf heiratete, eine Ehe zu beiderseitigem Missvergnügen, wobei es für Stefanie nach Rudolfs Tod noch einen glücklichen Ausgang gab. – Am Josefsdorfer Waldfriedhof das Grab von Karoline Traunwieser (1784-1815), „bezaubernd durch Gesang, der Schönsten Schönere, allbewundert, allgeschätzt, allgeliebt“, so Zeitgenosse und Orientforscher Joseph v. Hammer- Purgstall auf ihrem Grabstein. Verliebt in einen französischen Offizier der napoleonischen Armee, was ihr nicht bei allen Wienern Verehrung eingebracht haben dürfte, der beim Rückzug aus Rußland gestorben war, soll diese Enttäuschung mit Schuld an ihrem frühen Tod durch Tuberkulose gewesen sein. Schließlich am Friedhof des Kahlenbergerdorfes das Grab des Wiener Philharmonikers Paul Fischer. Er war 39 Jahre 1. Geiger und spielte im berühmten Quartett von Arnold Rosé. Im März 1938 beurlaubt, im Juli zwangspensioniert, mehrere Monate bar jeder Einkünfte, obwohl er seine Frau und zwei Söhne zu erhalten hatte, aus der Wohnung delogiert und in ein Massenquartier eingewiesen, erkrankt an Neuritis, starb Fischer schließlich im Nov. 1942 im jüdischen Spital in der Malzgasse, kurz bevor die letzten Wiener Juden deportiert wurden. Fischers Geschichte zeigt, dass (neben Kriegstoten) der gewaltsame Tod durch die NS-Herrschaft nicht allein durch Gas, Hunger, Vernichtung durch Arbeit, Todesmärsche etc. erfolgte, sondern auch durch Demütigung, Trauma, durch ein berufliches Zu-nichts-Werden eines Menschen, der 62jährig aus einer erfolgreichen Laufbahn geworfen wird und nichts, nichts dagegen tun kann.

Walter Kissling

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