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Nix Oberer Herminensteig – der Himberg sollt’ es sein!

Sonntag, 19. Juni 2016

Extrem labiles Wetter. In der Nacht und in der Früh Regen in Puchberg. Sonntag um 6:25 Uhr stellt die ZAMG ins Netz: „Am Alpenostrand zeigt sich anfangs noch die Sonne, tagsüber ist dort aber ebenfalls mit Regenschauern oder Gewittern zu rechen.“ Mit der Gruppe im Regen am nassen Fels, das muss nicht sein. Alternativvorschlag: der Himberg, die bewaldete Pyramide (948m) gegenüber dem Schneeberg, mit entsprechend schöner Aussicht. Wenn es regnet – dort ist das kein Problem. Eine sehr liebe Gruppe war flexibel. In langgezogenen kräfteschonenden Serpentinen führt der schmale Steig durch Wald hinauf. 1949 baute man für die Puchberger Kurgäste einen Sessellift auf den Himberg. Nach Einstellung des Winterbetriebes 1970 wurde in den 1990er Jahren auch der Sommerbetrieb eingestellt, die Liftstützen wurden abgetragen, die Hütte oben geschlossen. Vorbei an der geschlossenen Hütte überschreiten wir den Mugelgipfel und lassen uns an einem felsigen Rastplatz mit toller Aussicht nieder. Oben geht es südöstlich weiter durch Wald,  z.T. auf Forststraßen; der Abstieg über den Wegscheidgraben kommt zu schnell, Verlängerungen werden diskutiert, ein Schlenker hinunter nach Reitzenberg (Otto verlässt uns nordwestl. zum Auto  in Puchberg) und wieder hinauf zum Höhenweg, lange entlang eines durchgangslosen Wildzaunes von Siegfried Wolf (Stronach, Russland) zum idyllischen Weiler Gutenmann und einem kleinen Gasthaus wie aus den 60ern. Trank und Speis. Die Straße hinunter und zurück nach Puchberg bringt uns um wenige Euro ein Puchberger Taxibus. Ab Himberg keine Wanderer getroffen; der Schneeberg zieht alle Leute ab; auch bei uns kannte nur eine Teilnehmerin den Himberg. Obwohl nicht geplant, war die Gruppe mit der Alternative zufrieden. Geregnet hat es nicht, aber das wusste nicht mal die ZAMG. –

1926 hat sich am Himbergsteig der Evolutionsbiologe Paul Kammerer, damals „Superstar der Biologie“, erschossen, weil ihm die Fälschung eines Forschungsergebnisses vorgeworfen wurde. Jüngste Forschungen geben Kammerers Ergebnissen eher recht: http://derstandard.at/1250691842423/Hatte-Paul-Kammerer-doch-recht Lesetip: Arthur Köstler: Der Krötenküsser (1971/72) und Julya Rabinowich: Krötenliebe (Roman, 2016).

Aus einer anderen politischen Ecke kam Günther Schlesinger, Mitgründer des Österreichischen Naturschutzbundes, der sich ebenfalls am Himberg erschoss, u.zw. im April 1945. Anders als bei Kammerer erinnert an ihn ein Gedenkstein, an dem wir vorbeikamen. Während Schlesinger bestimmte Verdienste um den Naturschutz in Österreich erwarb, hing er bereits lange vor 1938 den rasseideologischen Vorstellungen des NS an und publizierte entsprechend in Naturschutzzeitungen. Wie den österreichischen Alpenvereinssektionen war auch Schlesinger „Judentum und deutsche Natur unvereinbar“.

Walter Kissling

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